MyoPro®: Informationen für Ärzte

Sie sind Arzt und betreuen Patienten mit einem Verlust oder einer Einschränkung der Hand- und Armfunktion, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einer Verletzung des Plexus brachialis? Dann sind Sie hier richtig: Auf dieser Seite finden Sie alle relevanten Informationen zur MyoPro® für Ärzte. Ein gelähmter Arm nach einem Schlaganfall oder eine Plexus brachialis Verletzung können den Alltag stark einschränken. Als innovatives Schlaganfall-Hilfsmittel kann die MyoPro® Patienten helfen, wichtige Funktionen im Alltag wiederzuerlangen.

Hier erhalten Sie Informationen über das ganzheitliche Konzept zur Versorgung mit der MyoPro® Orthese. Im Detail decken wir damit die Themenbereiche Eignungstest, MyoPro® Hilfsmittelverordnung sowie Ausbildung im Gebrauch ab. Zusätzlich haben Sie Zugang zu Studien über die MyoPro®.

Themenbereiche

  • Eignungstest
  • MyoPro® Hilfsmittelverordnung
  • MyoCare – Ausbildung im Gebrauch
  • MyoPro® Studien

Wir freuen uns, wenn Sie darüber hinaus bei Fragen oder Anregungen Kontakt zu uns aufnehmen. Auch wenn Sie eine Versorgung mit der MyoPro® für einen Ihrer Patienten mit entsprechender Erkrankung – beispielsweise ein gelähmter Arm nach einem Schlaganfall – in Betracht ziehen und dies mit uns abklären wollen, können Sie uns gerne kontaktieren.

1. Eignungstest

Bevor Sie Ihrem Patienten eine MyoPro® Orthese verordnen können, muss zunächst eine Eignung festgestellt werden, die die Grundlage für die Hilfsmittelverordnung bildet. In Zusammenarbeit mit Orthopädietechnikern und Therapeuten bietet Myomo zur Eignungsfeststellung sogenannte Testtage an. Während dieser Testtage, die in der Regel wohnortnah stattfinden, hat Ihr Patient die Möglichkeit, die MyoPro® kennenzulernen und zu testen. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch wird der Interessent mittels eine Testorthese auf Eignung untersucht. Für den Patienten bietet der Eignungstest eine wichtige Grundlage, um nach dem Schlaganfall das passende Hilfsmittel zu finden.

Die Untersuchung auf Eignung umfasst:

  • die technische Eignung (EMG Signal)
  • physische Eignung (Überprüfung und Ausschluss von Kontraindikationen)
  • kognitive Eignung (Verstehen und gezieltes Umsetzen der Aufgaben sowie kontrolliertes Ansteuern der Testorthese)

Das Testen auf technische, physische sowie kognitive Eignung mithilfe der Testorthese ist Voraussetzung für den Erhalt der Orthese. Dadurch kann festgestellt werden, ob eine Eignung für die Versorgung mit der MyoPro® Orthese zum Ausgleich der vorhandenen Beeinträchtigung vorliegt. Auch für Ärzte, die Patienten mit einem gelähmten Arm betreuen, ist dies ein wichtiger Schritt, um die MyoPro® nach einem Schlaganfall gezielt als Hilfsmittel einsetzen zu können.

Der potenzielle MyoPro® Kandidat kann mittels der Eignungsfeststellung zeigen, wie dieser die EMG-Signale der Testorthese ansteuern und bewegen kann. Dazu werden verschiedene Bewegungsabläufe, wie das Öffnen und Schließen von Hand und Fingern sowie das Beugen und Strecken des Ellenbogens, getestet. Diese Bewegungen sind die Basis für spätere Bewegungsabläufe, die während der Ausbildung im Gebrauch gelernt werden, um die maßangefertigte Orthese im Alltag nutzen zu können.

Die schriftliche sowie bildliche Dokumentation in Form von einem Erhebungsbogen sowie einer Videoaufnahme sind ebenso Teil der Eignungsuntersuchung und dienen als Nachweis für die Eignung.

2. MyoPro® Hilfsmittelversorgung

Hilfsmittel sind nach der Definition des SGB V Gegenstände, die erforderlich sind, um „den Erfolg einer Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit sie nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind.“ Das gilt auch für die MyoPro® Orthese. Sie wird häufig als Schlaganfall-Hilfsmittel eingesetzt, insbesondere wenn ein gelähmter Arm nach dem Schlaganfall die Selbstständigkeit beeinflusst. Versicherte haben Anspruch auf eine Versorgung mit der MyoPro® Orthese, wenn diese die Behinderung ausgleicht. Dies wurde bereits in mehreren Sozialgerichtsurteilen, unter anderem des Sozialgerichts Bremen, Berlin und Itzehoe, bestätigt.

Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung informiert ausführlich, wann und wie ein orthopädisches Hilfsmittel wie die MyoPro® verordnet werden kann. Damit wird die MyoPro® für Ärzte zu einem entscheidenden Baustein in der Versorgung von Patienten mit eingeschränkter Arm- und Handfunktion.

Verordnung von Arznei-, Verband- und Hilfsmitteln

Die Verordnung von Arznei-, Verband- und Hilfsmitteln erfolgt über das Arzneimittelformular, auch Muster 16 genannt.

Alle für die individuelle Versorgung notwendigen Einzelangaben sind auf dem Arzneimittelformular zu verzeichnen.

Anhand des Musters können Sie ableiten, wie eine Rezeptvorlage für den Anwender auszufüllen ist:

Verordnen Sie die MyoPro® auf Muster 16 und markieren Sie das Feld Nummer 7 (Hilfsmittel) mit der Ziffer „7“.

(1) Feld Nummer 7 (orthopädische Hilfsmittel sind budgetfrei)

(2) genaue Indikation / Diagnose

(3) 1 Stück MyoPro® Orthese

(4) für die individuelle Versorgung Seite (rechts / links)

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, die entsprechende Begründung schriftlich auf dem Rezept
festzuhalten.

(5) Wiederherstellung der aktiven Greiffunktion und Funktion des Ellbogengelenkes; Ermöglichen des bi-manuellen Greifens, daraus resultierend Ausgleich der Behinderung; Vermeidung beziehungsweise Reduzierung von unphysiologischen Kompensationsbewegungen und Überbeanspruchung.

3. MyoCare – Ausbildung im Gebrauch

Die Versorgung Ihres Patienten mit einer MyoPro® Orthese besteht aus zwei zusammengehörenden Elementen:

1. der MyoPro® Orthese, die vom Orthopädietechniker nach Maß gefertigt wird

2. und der Ausbildung im Gebrauch der Orthese

Ein gelähmter Arm kann nach einem Schlaganfall durch die Kombination aus Orthese und gezieltem Training wieder aktiv in den Alltag integriert werden. Die Ausbildung im Gebrauch der Orthese findet in der Regel anteilig beim Orthopädietechniker sowie bei einem von Myomo zertifizierten Therapeuten (zum Beispiel Physio- oder Ergotherapeut) in Wohnortnähe Ihres Patienten statt. Wir empfehlen mindestens zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche unter Begleitung eines geschulten und von Myomo zertifizierten therapeutischen Mitarbeiters. Die Ausbildung im Gebrauch soll solange unter Begleitung fortgesetzt werden, bis ein Gebrauchsvorteil erkennbar ist. Als Pauschale werden 60-80 Trainingseinheiten angenommen. Der genaue Bedarf an Ausbildung im Gebrauch unter Begleitung ist von der Indikation und Ausgangssituation, wie beispielsweise dem Grad der Spastik, Compliance und weiteren Faktoren, abhängig und muss im Verlauf der Ausbildung je nach Fortschritt bewertet und angepasst werden. Mit diesem strukturierten Vorgehen wird die MyoPro® für Ärzte zu einer wertvollen Möglichkeit, ihren Patienten ein Stück Selbstständigkeit zurückzugeben.

Begleitung der Ausbildung im Gebrauch durch Myomo

Clinical Trainer der Firma Myomo schulen und zertifizieren die jeweiligen Therapeuten des Anwenders für die Durchführung der Ausbildung im Gebrauch. Diese strukturierte Begleitung ist entscheidend, damit die MyoPro® Orthese als Schlaganfall-Hilfsmittel optimal eingesetzt werden kann.

Die Ausbildung wird in Kombination zwischen dem Orthopädietechniker des Leistungserbringers und dem Therapeuten durchgeführt und von unserem Fachpersonal im Außendienst (Clinical Trainer) unterstützt sowie begleitet. Die MyoPro® verspricht Sicherheit für Ärzte, dass ihre Patienten eine ganzheitliche Versorgung erhalten.

Myomo hat eigens dafür das MyoCare Versorgungskonzept entwickelt. Es beinhaltet die Begleitung des Anwenders, des involvierten Orthopädietechnikers sowie des Therapeuten, bei dem der Großteil der Ausbildung im Gebrauch stattfindet. Gemeinsam mit dem Anwender und Therapeuten erstellen unsere zertifizierten MyoPro® Experten einen individuellen Trainingsplan, der an die Bedürfnisse des Anwenders angepasst ist. Ziel ist es, den Umgang mit der MyoPro® Orthese zu erlernen und das Gelernte effektiv im Alltag umzusetzen. Dazu gehören Übungen zur Bewegungskontrolle und Muskelkoordination sowie das eigenständige An- und Ablegen der Orthese. Während der ersten sechs Monate nach Erhalt der MyoPro® Orthese unterstützen zertifizierte MyoPro® Experten der Firma Myomo den Anwender alle drei Wochen mit einem Vor-Ort-Besuch beim Training mit der Orthese. Wenn nötig findet im Einzelfall eine Begleitung darüber hinaus ebenfalls statt.

Des Weiteren beinhaltet das MyoCare-Konzept eine Schulung und Begleitung aller Beteiligten, bis der Anwender die Orthese alltagstauglich nutzen kann. Die Ausbildung im Gebrauch der MyoPro® ist damit auch für Ärzte relevant.

Zusätzlich wird der Anwender vom Orthopädietechniker des zuständigen Versorgungspartners begleitet. Diese sind für den Versorgungsablauf zuständig und passen die Orthese den individuellen Bedürfnissen des Patienten an. Das können Änderungen der MyConfig-Einstellung, Anpassungen der Polsterungen, Gurte oder Textilien sowie das Anfertigen und Individualisieren einer 4-Fingerauflage sein.

4. MyoPro® Studien

Obwohl die MyoPro® ein Hilfsmittel zum Ausgleich der Behinderung, und kein Therapiesystem ist, sind positive Nebenwirkungen, wie zum Beispiel die Reduktion der Spastik durch Verwendung der MyoPro® Orthese im Alltag, in Studien beschrieben. Die Studien über die MyoPro® sind für Ärzte und andere Interessenten zugänglich.