Spastische und schlaffe Lähmung: Was sind die Unterschiede?
Lähmungen können die Beweglichkeit und Selbstständigkeit eines Menschen erheblich einschränken. Je nachdem, wo eine Schädigung im Nervensystem vorliegt, können sich unterschiedliche Formen der Lähmung entwickeln. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer spastischen und einer schlaffen Lähmung. Während bei der spastischen Form die Muskelspannung erhöht ist, kommt es bei einer schlaffen Lähmung zu einer verminderten oder fehlenden Muskelspannung. Für die Auswahl geeigneter Therapieansätze und Hilfsmittel ist diese Unterscheidung von großer Bedeutung.
Wie entsteht eine Lähmung?
Eine Lähmung entsteht, wenn die Weiterleitung von Signalen zwischen Gehirn, Rückenmark und Muskulatur gestört ist. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von einem Schlaganfall über Rückenmarksverletzungen bis hin zu Erkrankungen oder Verletzungen peripherer Nerven wie dem Plexus brachialis.
Entscheidend für die Art und Ausprägung der Lähmung ist unter anderem der Ort der Schädigung. Liegt sie im zentralen Nervensystem, beispielsweise im Gehirn oder Rückenmark, können spastische Lähmungen auftreten. Schäden an peripheren Nerven können dagegen zu einer schlaffen Lähmung führen. Auch Mischbilder sind möglich.
Schlaffe Lähmung
Eine schlaffe Lähmung ist durch eine deutlich herabgesetzte Muskelspannung gekennzeichnet. Die betroffenen Muskeln können Bewegungen nicht oder nur eingeschränkt ausführen und wirken häufig kraftlos. Je nach Ursache können zusätzlich Reflexe vermindert sein.
Die schlaffe Lähmung entsteht, wenn periphere Nerven, die vom Rückenmark zu den Muskeln führen, geschädigt sind. Diese Art der Lähmung wird daher auch als periphere Lähmung bezeichnet. Eine Unterart der schlaffen Lähmung ist beispielsweise die schlaffe Paraparese, bei der beide Beine von einer schlaffen Lähmung betroffen sind.
Bei der Behandlung steht unter anderem der Erhalt beziehungsweise die Verbesserung der vorhandenen Bewegungsfähigkeit im Mittelpunkt. Physiotherapie und Ergotherapie können dabei helfen, vorhandene Funktionen zu fördern und Komplikationen vorzubeugen.
Spastische Lähmung
Bei einer spastischen Lähmung ist die Muskelspannung dagegen erhöht. Die Muskulatur fühlt sich angespannt oder steif an und Bewegungen können erschwert sein. Häufig treten unwillkürliche Muskelanspannungen und funktionale Bewegungseinschränkungen auf. Eine spastische Lähmung entsteht aufgrund einer Schädigung von zentralen Nerven in Gehirn oder Rückenmark. Das kann zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einer Rückenmarksverletzung der Fall sein.
Die Ausprägung einer spastischen Lähmung ist individuell sehr unterschiedlich. Sie kann einzelne Körperregionen wie Arm oder Hand betreffen oder größere Muskelgruppen einbeziehen. Für die Therapie ist deshalb eine genaue funktionelle Untersuchung erforderlich.
Hilfsmittel und Therapie bei spastischer und schlaffer Lähmung
Therapie und Rehabilitation für Personen mit spastischen oder schlaffen Lähmungen richten sich nach Ursache, Ausprägung und individuellen Zielen. Physiotherapie und Ergotherapie können dazu beitragen, Bewegungsabläufe zu trainieren, vorhandene Funktionen zu erhalten und die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern. Ergänzend können geeignete Hilfsmittel eingesetzt werden.
Die Unterscheidung zwischen spastischer und schlaffer Lähmung ist sowohl für die Diagnostik als auch für die Auswahl einer passenden Therapie und Versorgung entscheidend. Auf Grundlage dieses Wissens können medizinisches und therapeutisches Fachpersonal gemeinsam mit den Betroffenen individuelle Maßnahmen entwickeln, die den Erhalt und die Verbesserung der Selbstständigkeit unterstützen.
Bei Einschränkungen von Arm und Hand können aktive Orthesen wie die MyoPro® eine Möglichkeit darstellen, Betroffenen mehr Selbstständigkeit zu verschaffen. Die myoelektrische Orthese nutzt vorhandene elektrische Muskelsignale, um Bewegungen aktiv zu unterstützen. So wird eine beidhändige Alltagsbewältigung wieder möglich – sowohl bei spastischer als auch bei schlaffer Lähmung. Ob eine betroffene Person für die Versorgung geeignet ist, hängt unter anderem von der vorhandenen Muskelaktivität, dem Bewegungsumfang und der individuellen Situation ab. Einen ersten Eindruck, ob die MyoPro® geeignet ist, liefert der Online-Selbsttest von Myomo.




